Besucher des Kölner Kunstmarktes blieben immer wieder vor Christiane Richters riesigen Arbeiten stehen und fragten skeptisch: „Und das ist nicht mit der Spritzpistole gemacht?“ Selbst aus geringer Entfernung betrachtet, täuscht die makellose Oberfläche der geometrischen Bilder einen Lacküberzug vor. Wer dann aber erkannte, dass er belichtete Fotopapiere unter Plexiglas vor sich hatte, sah sich mit wichtigeren Fragen konfrontiert, warum sich die Künstlerin für ihre gegenstandsfreien Bilder ausgerechnet der Fotografie bedient – eines Mediums, das nur dazu geschaffen scheint, die Wirklichkeit getreulich wiederzugeben.
Der weg zu diesen Arbeiten hat etwas Märchenhaftes. Als Christiane Richter vor zwei Jahren an den Stuttgarter Kunstlehrer Achim Kubinski geriet, lagen bereits mehrere gescheiterte Anläufe hinter ihr, an privaten Kunstschulen das Malen zu erlernen. Weil sie aber auch diesmal die Arbeit mit dem Pinsel bald langweilte, drückte ihr der Lehrer eines Tages eine Kamera in die Hand. „Ich hab vorher nicht mal im Urlaub fotografiert“, sagt Sie.
Sie machte sich das ungewohnte Medium zunutze, eiferte dabei jedoch nicht den Stars aus Kubinskis Galerie, dem amerikanischen Fotografen-Duo Clegg & Guttmann, nach. Statt Menschen, Häuser oder die Landschaft abzulichten beobachtete sie anfangs die Entstehung ihrer eigenen Gemälde durch das Objektiv. Dann folgten Foto-Experimente mit angeätzten Kupferplatten, der Rasterstruktur eines verschneiten Fernsehbildes oder einem Fenster-Rollo in Großaufnahme.
Die Geschichte endete vorläufig mit einer Förderkoje auf der Art Cologne 1987. In den Foto-Bildern, mit denen sie dort auffiel, ist die Malerei gänzlich hinter dem Konzept verschwunden. Auch das Ablichten von eingefärbten oder vorgefertigten Flächen, mit denen jede Arbeit beginnt, bedeutet für Christiane Richter jetzt nur noch Vorarbeit. Erst wenn die Kleinbildfilme entwickelt und Aufsichtsvorlagen hergestellt sind, entsteht das Kunstwerk. Dann collagiert die Künstlerin die zerschnittenen Farbanzüge zu Maquetten für die Reproanstalt, der das Vergrößern überlassen bleibt.
Christiane Richter, 24, hat ihre Freude daran, wie die Spezialisten im Farblabor ihren Ehrgeiz daran setzen, die Farben des Vorbilds, die scharfe Trennung von Farbe zu Farbe oder fließende Verläufe genau zu treffen: „Manchmal sind die richtig verzweifelt, wenn das auf dem großen Fotopapier nicht so ganz klappt.“ Die Künstlerin stört das nicht. Sie lässt ihr Werk gern von den Tücken der Fototechnik beeinflussen.

Oliver Steinbach